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CRONOLOGÍA      BIBLIOGRAFÍA       ESTUDIOS       RESEÑAS         ACTIVIDADES


DostoCro

Der „Idiot“ bei F. Nietzsche und bei F. M. Dostoevskij.

Geschichte eines Irrtums.

Antonio und Jordi Morillas*

 

Ein kommunikativer Diskurs wird dann
verstanden, wenn deutlich wird, wie und warum der
Verfasser die Worte in einer bestimmten Form
verwendet. Dabei können die Worte von ihrer
Bedeutung in der Standardsprache abweichen. Die
Bedeutung eines Textes liegt in seiner Verwendung im
Diskurs.[1]

 

1. Einleitung

    Jede Untersuchung zum Christusbild bei Nietzsche und bei Dostoevskij beginnt mit der bekannten Stelle des Werkes Der Antichrist, in welcher der deutsche Philosoph sich mit Renans Jesus auseinandersetzt[2]. Nietzsche lehnt Renans Bezeichnungen „Genie“ und „Held“ für Jesus ab und schreibt:

    Aus Jesus einen  H e l d e n  machen! – Und was für ein Missverständniss ist gar das Wort „Genie“! Unser ganzer Begriff, unser Cultur-Begriff „Geist“ hat in der Welt, in der Jesus lebt, gar keinen Sinn. Mit der Strenge des Physiologen gesprochen, wäre hier ein ganz andres Wort eher noch am Platz: das Wort Idiot. (AC, § 29, KSA 6, S. 200)

    Weil Nietzsche hier das Wort „Idiot“ verwendet, schloss die Nietzsche-Forschung, der deutsche Philosoph habe den Dostoevskij-Roman Der Idiot gelesen oder zumindest dem Kerngedanken nach gekannt. Auf dieser Annahme basieren viele Studien, die sich mit Nietzsches Jesus- und Christentums-Vorstellung und der damit zusammenhängenden Dostoevskij-Lektüre beschäftigen. Dabei wurde bislang weder die Geschichte des Wortes „Idiot“ im Werk Nietzsches, noch die Rezeptionsgeschichte des Vergleichs Nietzsche-Dostoevskij ausführlich betrachtet.

     

     2. Die Auslegung des Wortes „Idiot“ in der Nietzsche-Forschung

      Obwohl die oben zitierte Nietzsche-Stelle dank der philologischen Arbeit von Giorgio Colli und Mazzino Montinari 1969 vollständig veröffentlicht wurde[3], hat die Nietzsche-Forschung gleichwohl schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Charakterisierung Jesu in Der Antichrist in Verbindung zu Dostoevskij gesetzt.

      1930 behauptet Charles Andler[4], dass Nietzsche „l’Idiot“ (S. 3) gelesen habe[5]: „le roman l’Idiot a suggéré à Nietzsche une image nouvelle de la première communauté chrétienne“ (S. 12)[6]. Ein Jahr später weist Josef Hofmiller in seinem Aufsatz Nietzsche[7] auf die dank den Angaben eines Briefes von H. Köselitz[8] fehlenden Worte in den bislang publizierten Ausgaben des Antichrist hin, nämlich auf „das Wort Idiot“ (S. 83).

      In Nietzsches Ideen zur Geschichte des Christentums[9] konstatiert Benz, dass Nietzsche „seine Kenntnis Dostojewskijs [...] durch die Lektüre des ‚Idioten‘ bereichert hat“ (S. 93). Das bestätigt die Tatsache, „daß der besondere Blickpunkt Nietzsches bei seiner Betrachtung des Christentums, die psychologische Fragestellung, die Betrachtung des Erlösers als eines psychologischen Typus, die psychologische Deutung der Seelenhaltung und Lebenshaltung des urchristlichen Milieus, unmittelbar durch Dostojewskij angeregt und entscheidend bestimmt ist“ (ibid.). In dieselbe Richtung geht Karl Jaspers[10], der behauptet, dass Nietzsche Idiot in dem Sinne meint, „wie Dostojewski seinen Fürsten Myschkin Idiot nennt“ (S. 21)[11].

      Wenngleich diese These in den 40er Jahren sowohl von Max Oehler[12] als auch von Martin Dibelius[13] widerlegt wurde, fand sie in der späteren Forschung[14] immer noch Anklang. Walter Kaufmann[15] und Wolfgang Gesemann[16] bekräftigten und verbreiteten diese These[17] in der philosophischen[18] und in der philologischen[19] Welt.

       

      3. Auslegung des Wortes „Idiot“

        3.1. Das Wort „Idiot“ in Nietzsches Texten

        Das Wort „Idiot“ taucht zum ersten Mal 1873 in einer Vorstufe zur dritten der Unzeitgemäßen Betrachtungen auf, nämlich in der Kritik des Gelehrten, wo der Ausdruck „moralische Idiotismen“[20] verwendet wird[21]. Das Wort „Idiotismus“ als Synonym für Krankheit, bzw. Geisteskrankheit, wie es später in einem ähnlichen Sinne im Werk Der Antichrist gefunden wird, erscheint bereits in Der fröhlichen Wissenschaft[22]. „Psychologischer Idiotismus“ als Bezeichnung für Kant taucht im Frühjahr 1887 auf, als Nietzsche die kantische Genie-Charakterisierung[23] und seine moralische Anschauung der Geschichte[24] beschreibt. „Idiotismus“ als Kritik der Falschheit in historicis[25] befindet sich schließlich in seinen Spätwerken Der Fall Wagner[26] und Der Antichrist[27].

        Es ist zwar richtig zu bemerken, dass das Wort „Idiot“ eben im Jahr 1888 mehrfach in Texten und Briefen Nietzsches erscheint; es ist aber kein klares Indiz für einen direkten Dostoevskij-Einfluss auf Nietzsche[28]. M. Dibelius zeigt, dass dem Wort „Idiot“ an diesen Stellen die Aufgabe zufällt, einen Gegensatz zu einem der Lieblingsausdrücke Nietzsches, „die Wohlgeratenen“[29], herzustellen. Als solche sind an erster Stelle Sokrates[30], Kant[31] und besonders Bismarck[32] zu nennen. Wagner, bzw. die Wagnerianer werden ebenfalls als „Idioten“ bezeichnet[33], nämlich in dem Sinne, dass sie die „décadence“[34] und die Vulgarität der Modernität verkörpern[35]. Bemerkenswert ist zuletzt, wie Nietzsche Parsifal sowohl als „reinen Toren“[36] wie auch als „Idioten“ [37] charakterisiert.

        Was die Verwendung des Wortes „Idiot“ als „Waffe“ in Nietzsches Kampf gegen das Christentum betrifft, so ist das nachgelassene Fragment Frühjahr 1888, 14 [91] zu nennen. Hier heißt es:

        : die christliche  Bewegung ist eine Degenerescenz-Bewegung aus Abfalls- u[nd] Ausschuß-Elementen aller Art: sie drückt nicht den Niedergang einer Rasse aus, sie ist von Anfang an eine Aggregat-Bildung aus sich zusammendrängenden u[nd] sich suchenden Krankheits-Gebilden…  Sie ist deshalb nicht  national, nicht  rassebedingt: sie wendet sich an die Enterbten von Überall

        sie hat die Rancune auf dem Grunde gegen alles Wohlgerathene u[nd] Herrschende, sie braucht ein Symbol, welches den Fluch auf die Wohlgerathenden u[nd] Herrschenden darstellt…

        sie steht im Gegensatz auch zu aller geistigen  Bewegung, zu aller Philosophie: sie nimmt die Partei der Idioten u[nd] spricht einen Fluch gegen den Geist aus. Rancune gegen die Begabten, Gelehrten, Geistig-Unabhängigen:  sie erräth in ihnen das Wohlgerathene, das Herrschaftliche.[38]

        Das Christentum ist folglich die gegen die aufsteigenden Werte des Lebens gerichtete décadence-Religion par excellence. Auf diese Weise bildet das Christentum „die Partei der Idioten“, indem die Priester -wie Nietzsche später in Der Antichrist schreibt- nicht nur „die Psychologie jedes grossen Ereignisses auf die Idioten-Formel ‚Gehorsam oder Ungehorsam gegen Gott‘ vereinfacht“ haben (KSA 6, S. 196), sondern auch einen neuen religiösen Menschen gefeiert haben, den Menschen, „wie ihn die Kirche will“, d.h. „ein[en] typische[n] décadent“ (KSA 6, S. 230). Diese von Nietzsche sogenannten „epileptoide Formen“ haben die Aufgabe, den Kampf gegen „die Wohlgerathenden u[nd] Herrschenden“ zu führen, indem sie versuchen, „einen neuen Begriff der ‚Vollkommenheit‘ sich zurecht zu machen, ein bleiches, krankhaftes, idiotisch-schwärmerisches Wesen, die sogenannte ‚Heiligkeit‘, – Heiligkeit, selbst bloss eine Symptomen-Reihe des verarmten, entnervten, unheilbar verdorbenen Leibes! …“  (KSA 6, S. 231)[39]. Der Philosoph schreibt weiter:

        Das Christenthum hat die Krankheit nöthig, ungefähr wie das Griechenthum einen Überschuss von Gesundheit nöthig hat, – krank–machen ist die eigentliche Hinterabsicht des ganzen Heilsprozeduren-System’s der Kirche.  Und die Kirche selbst – ist sie nicht das katholische Irrenhaus als letztes Ideal? – Die Erde überhaupt als Irrenhaus? […] Es steht Niemandem frei, Christ zu werden: man wird nicht zum Christenthum „bekehrt“ (AC § 51; KSA 6, S. 230-231).

        Betrachtet man die hier von Nietzsche verwendeten Begriffe, so wird bestätigt, dass alle aus dem physiologischen Bereich stammen: „eine Degenerescenz-Bewegung“, „Niedergang einer Rasse“, „Krankheits-Gebilde“, „die Enterbten von Überall“, „die Krankheit“, „krank-machen“, „das katholische Irrenhaus“, „Irrenhaus“. In diesem Kontext einer physiologischen Beschreibung des Christentums tauchen die Begriffe „Idiot“, „heilig“ und „epileptisch“ auf.

        Nietzsche bezeichnet dennoch nicht nur die Christen, sondern auch Jesus als „Idiot“. Um die Bedeutung des Wortes in diesem Zusammenhang abzugrenzen, soll das nachgelassene Fragment Frühjahr 1888, 14 [38][40], ausführlich analysiert werden.

        Nietzsche schreibt gegen die Auslegung Renans in Vie de Jésus, dass „Jesus das Gegenstück eines Genies [ist], er ist ein Idiot. Man fühle seine Unfähigkeit, eine Realität zu verstehen“ (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237). Jesus ist erstens ein Idiot, weil er die Wirklichkeit, in der er lebt, nicht begreift. Er ist ein in seiner „eigenen“ Welt lebender Mensch – „Der Rest ist ihm fremd“, sagt Nietzsche. In diesem Kontext ist Christus offensichtlich „Idiot“ in einem etymologischen Sinne. Dieses „in-sich-selbst-Leben“ Jesu spielt sich zweitens in seinem Mangel an „Mannhaftigkeit“ wider: „Daß die eigent[lichen] Manns-Instinkte – nicht nur die Geschlechtlichen, sondern auch die des Kampfes, des Stolzes, des Heroismus – nie bei ihm aufgewacht sind, daß er zurückgeblieben ist u[nd] kindhaft im Alter der Pubertät geblieben ist: das gehört zum Typus gewisser epilepsoider Neurosen“ (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237)[41]. Die physiologische Charakterisierung Jesu als „Idiot“ ergänzt sich drittens mit der Beschreibung seiner Unwissenheit:

        Nicht der entfernteste Hauch von Wissenschaft, Geschmack, geistiger Zucht, Logik hat diesen heiligen Idioten angeweht: so wenig als ihn das Leben berührt hat.

        Natur? Gesetze der Natur? – Niemand hat ihm verrathen daß es eine Natur giebt. Er kennt nur moralische Wirkungen: Zeichen der untersten u[nd] absurdesten Cultur. Man muß das festhalten:

        Er ist Idiot inmitten eines sehr klugen Volkes… Nur daß seine Schüler es nicht mehr – Paulus war ganz u[nd] gar kein Idiot! – daran hängt die Geschichte des Christenthums. (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237)[42]

        Christus ist folglich ein Idiot, weil er ein unwissender, wirklichkeitsfremder und in einem kindlichen Zustand gebliebener Mensch ist. Deshalb wollte Jesus nach Nietzsche keine Theorie, sondern vielmehr eine Lebenspraxis beibringen, die mit seinem Tod den Höhepunkt erreichte: „im Grunde gab es nur Einen Christen, und der starb am Kreuz“ (KSA 6, S. 211).

         

        3.2. Das Wort „Idiot“ in Der Antichrist § 29

        Nietzsche beschreibt das Christentum im AC § 27 als „eine Todfeindschafts-Form gegen die Realität, die bisher nicht übertroffen worden ist“ (KSA 6, S. 197) und seinen Stifter als den „heilige[n] Anarchist[en]“ (KSA 6, S. 198), der den Krieg gegen die jüdischen „höheren Menschen“, d.h. die Priester führen wollte. Jesus wird in diesem Zusammenhang als ein politischer Verbrecher „in einer absurd-unpolitischen Gemeinschaft“ geschildert (KSA 6, S. 198).

        Im AC § 28 verkündet Nietzsche, dass er sich mit dem „Problem der Psychologie des Erlösers“ (KSA 6, S. 198) auseinandersetzen will und kritisiert dafür zuerst die „Widersprüche“ und die mangelnde „Zuverlässigkeit“, die für ihn die Evangelien haben, sowie „die gelehrte Neugierde des deutschen Geistes“ (d.h. David Strauss), die sich damit beschäftigt. So wie das Leben und das Wesen Franciscus von Assisi „in seinen Legenden erhalten ist trotz seinen Legenden“ (KSA 6, S. 199)[43], so glaubt Nietzsche (im AC § 29), in den Evangelien den von ihm gesuchten „psychologische[n] Typus des Erlösers“ (KSA 6, S. 199) finden zu können. In diesem Kontext taucht der Name „Ernest Renan“ als Beispiel dafür auf, wie „aus den Evangelien sogar die Geschichte einer ‚Seele‘“ herausgelesen werden kann (KSA 6, S.199). Als Ergebnis seiner psychologischen Untersuchung hat Renan die Worte „Genie“ und Held („héros“) auf Jesus angewendet, die laut Nietzsche „die zwei ungehörigsten Begriffe“ sind, die es gibt. Der Philosoph lehnt sie ab und behauptet vorsichtigerweise[44] „mit der Strenge des Physiologen“, dass „hier ein ganz andres Wort eher noch am Platz [wäre]: das Wort Idiot“ (KSA 6, S.200).

        Mit aus dem physiologischen Bereich stammenden Worten erläutert Nietzsche seine Konzeption des Erlösers als „Idiot“ folgendermaßen: „Wir kennen einen Zustand krankhafter Reizbarkeit des Tastsinns, der dann vor jeder Berührung, vor jedem Anfassen eines festen Gegenstandes zurückschaudert. Man übersetze sich einen solchen physiologischen habitus in seine letzte Logik – als Instinkt-Hass gegen jede Realität“ (AC, §29, KSA 6, S.200). Dieser „Instinkt-Hass gegen jede Realität“ ist im AC § 30 als „Folge einer extremen Leid- und Reizfähigkeit“ (KSA 6, S.201) erklärt. Daraus stammt die Erlösungs-Lehre, die von Nietzsche als „eine sublime Weiter-Entwicklung des Hedonismus auf durchaus morbider Grundlage“ genannt wird (KSA 6, S.201). Das findet Nietzsche in den ursprünglichen christlichen Gemeinden, die er mit der in den russischen Romanen geschilderten Welt vergleicht: „Jene seltsame und kranke Welt, in die uns die Evangelien einführen – eine Welt, wie aus einem russischen Romane, in der sich Auswurf der Gesellschaft, Nervenleiden und „kindliches“ Idiotenthum ein Stelldichein zu geben scheinen“ (AC §31, KSA 6, S.201-202). In diesem Zusammenhang erscheint die bekannte Stelle über Dostoevskij: „Man hätte zu bedauern, dass nicht ein Dostoiewsky in der Nähe dieses interessantesten décadent gelebt hat, ich meine Jemand, der gerade den ergreifenden Reiz einer solchen Mischung von Sublimem, Krankem und Kindlichem zu empfinden wusste“ (KSA 6, S.202)[45]. Diese kindische, unwissende und dekadente Haltung Jesu schreibt Nietzsche der Physiologie zu, indem anschließend seine Lebens- und Realitätsfremdheit[46], sowie „reine Thorheit“ (KSA 6, S.204) betont.

        Die oben erwähnten Stellen beweisen unbestreitbar, wie Nietzsche hauptsächlich physiologisch argumentiert. Der Philosoph setzt sich mit Jesus „mit der Strenge des Physiologen“, nicht als Psychologe auseinander. Diese physiologische Rede hat ihre Grundlagen in Nietzsches Lektüre in der Abfassungszeit des Antichrist, die deutlich den Ursprung des Begriffes bestätigen. Nicht Dostoevskijs Roman Der Idiot, sondern Charles Férés Dégénérescence et criminalité[47] ist die Quelle zu Nietzsches Verständnis des Wortes „Idiot“. Dieser „ein seiner [Nietzsches, J.M.] Privatbücherei einverleibter, eifrig durchgearbeiteter und reichlich ausgeschriebener Band“[48], der einen sehr starken Einfluss auf den deutschen Philosophen hatte, „nicht nur für den Wortschatz, sondern auch für sein Verständnis der Symptomatik und Ätiologie der Degeneration“[49]. In einer Stelle dieses Werkes stehen die folgenden Worte:

        Au bas de l’échelle des dégénérés on trouve l’idiot, qui avec une déchéance psychique plus profonde présente des caractères somatiques aussi plus nets, dignes d’être mis en parallèle avec les caractères somatiques des plus inférieurs des criminels, ceux qui ont été condamnés à mort pour l’atrocité de leurs forfaits et qui peuvent être considérés comme des idiots moraux[50].

        Dass Nietzsche das Wort vielmehr in Férés’ als in Dostoevskijs Sinne verwendet, nämlich als Bezeichnung für diejenigen, die sich „au bas de l’échelle des dégénérés“ befinden, wird deutlich, wenn die physiologischen Aussagen bezüglich des Christentums und Jesu richtig verstanden werden.

        Nietzsche benutzt zuerst das Wort „Idiot“ in demselben Zusammengang als „dégénérescence“. Mit diesem von Nietzsche ins Deutsche als „Degenerescenz“[51] übersetzten physiologischen Begriff bezeichnet er sowohl die Wagnerische Kunst[52] und das Griechenland, das den décadent Sokrates hervorbrachte[53], als auch das Christentum.

        Im oben zitierten Fragment Frühjahr 1888, 14 [91], wurde bereits gezeigt, wie Nietzsche das Christentum als „eine Degenerescenz-Bewegung aus Abfalls- u[nd] Ausschuß-Elementen aller Art“ (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [91], S. 267)[54] beschreibt. Im Nachlass befindet sich noch ein anderes Fragment (Nachlass Frühjahr 1888, 14 [113]), in dem Nietzsche sich mit den Begriffen „Laster“ und „Tugend“ und dem „guten Menschen“ auseinandersetzt. Die Kritik an dem „guten Menschen“, wie ihn das Christentum will, führt Nietzsche zur Aussage:

        Wir wissen heute die moral[ische] Degenerescenz nicht mehr abgetrennt von der physiolog[ischen] zu denken [...] Ein allgemeiner Satz, wie ihn das Christenthum lehrte, ‚der Mensch ist schlecht‘, würde berechtigt sein, wenn es berechtigt wäre, den Typus des Degenerirten als Normal-Typus des Menschen zu nehmen. Aber das ist vielleicht eine Übertreibung. Gewiß hat der Satz überall dort ein Recht, wo gerade das Chr[istenthum] gedeiht u[nd] obenauf ist: denn damit ist ein morbider Boden bewiesen, ein Gebiet für Degenerescenz. (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [113], S. 290-291)[55]

        Die Unfähigkeit Jesu, sich selbst zu wehren[56], wird in Götzen-Dämmerung als „bloss eine andre Form der Degenerescenz“ (KSA 6, S.83)[57], sowie auch das „Kindische“ in Christus „als Folgeerscheinung der Degenerescenz“ (KSA 6, S.203) definiert.

        Zusammengefasst: Degenerescenz ist ein terminus technicus Nietzsches, um die Krankheit und Entartung, die das Christentum verkörpert, zu beschreiben[58]. Wie Bettina Wahrig-Schmidt nachgewiesen hat, ist die Kritik am Christentum ein Beispiel für Nietzsches Auseinandersetzung mit Férés Dégénérescence-Lehre[59]. Der Philosoph benutzt die Physiologie, um seinen Feind zu bekämpfen. Mit den Gegensätzen „Gesund / Krank“ und „Stärke / Schwäche“[60] behält die Physiologie für Nietzsche das letzte Wort gegenüber der Philosophie, bzw. der Religion. Damit nimmt die „Decadence, die Nietzsche als literarisches Phänomen kennenlernte und studierte, immer stärker den Charakter körperlicher Realität an, auch wenn sie im Gewand von Literatur, Philosophie oder Religion auftritt“[61]. In diesem Sinne wird die Physiologie für Nietzsche letzten Endes „zum Mittel der Kritik und zum Wahrheitskriterium“ in seinem philosophischen, bzw. religiösen Kampf gegen das Christentum und die von ihm verursachte décadence[62].

        Es ist eben in diesem Zusammenhang, dass das Wort „Idiot“ vorkommt. Gregory Moore behauptet sehr zutreffend, „Nietzsche describes Jesus as an idiot – a degenerate idiot in the strict sense of the word”[63]. Die bekannte Stelle lässt keinen Zweifel daran – Nietzsche hatte seine Féré-Lektüre vor Augen, als er Den Antichrist verfasste.

        Lediglich auf diese Weise gewinnt das Wort „Idiot“ bei Nietzsche seine völlige philosophische, bzw. physiologische Bedeutung, die von Dostoevskij radikal zu trennen ist, denn für den Russen ist Christus keine physiologisch degenerierte Person[64]. Da, wo Nietzsche mit seinen physiologischen Bezeichnungen etwas Negatives meint, sieht der russische Schriftsteller die göttliche Vollkommenheit[65], zumal das Wort „Idiot“ bei Dostoevskij eine sehr spezifische Prägung hat.

         

        3.3. Das Wort „Idiot“ bei Dostoevskij

        Wenn aber diese und die späteren Verwendungen des Wortes „Idiot“ im Werk Nietzsches nicht reichen, um zu beweisen, dass der deutsche Philosoph den Roman Dostoevskijs nicht gelesen hat, so sollte man die Interpretationsgeschichte des Werkes des russischen Schriftstellers betrachten. Alle Forscher, die behaupten, Nietzsche verwende das Wort „Idiot“ in Dostoevskijs Sinne gehen nicht von Nietzsches Texten, sondern von der Interpretation der Dostoevskij-Forscher aus, besonders von E.-M. de Vogüé, der zuerst in seinen Beiträgen in Le Revue des deux Mondes und danach in Le roman russe (1886), Dostoevskij und seine letzten Werke unter dem Etikett „pathologisch“ in Europa einführte[66].

        Obwohl schon vorher einige Dostoevskij-Forscher die Gleichstellung Myschkin–Christus angedeutet hatten[67], taucht sie jedoch in der Dostoevskij-Forschung seit der Veröffentlichung der Entwürfe des Romans Der Idiot im Jahre 1931 auf[68]. In diesen Notizen hatte der russische Schriftsteller drei Mal „Knjaz Christos“ („Fürst Christus“) aufgeschrieben[69]. Diese Charakterisierung hat den Forschern neue Perspektiven eröffnet[70], nämlich, dass Dostoevskij in seinem Helden Myschkin Christus darstellen wollte[71]. „Indem er ihn ‚Fürst Christus‘ nannte, meinte Dostoevskij zuerst die moralischen Ideale des Fürstens, seine Beziehung zum Leben und jene Überzeugungen, auf die er sich in seinem Verhalten stützt“[72].

        In dem gleichnamigen Roman[73] verwendet Dostoevskij das Wort „Idiot“ nicht nur als Synonym für „dumm“, sondern auch für „Jurodivy“[74]. Der russische Schriftsteller fügt sich damit in eine literarische Reihe ein, die aus der Antike und dem Mittelalter stammt. Damals nannte sich „Idiot“ nicht nur derjenige, der überhaupt keine Bildung hatte und weit entfernt von „der Weisheit der Bücher“[75] war, sondern auch derjenige, „dem die Wege der Initiation zu den höchsten Geheimnissen des Daseins geöffnet wurden“[76]. Dostoevskij meint also das, was eigentlich seit Platos Phaidros als „göttlicher Wahnsinn“ bekannt ist[77], der zu wahrem Wissen führt[78]. Der russische Schriftsteller dachte an verschiedene historische Vorbilder dieses „göttlichen Wahnsinns“. Beispielsweise hatte er den spanischen Don Quichote[79] im Blick, als er „die Darstellung eines wahrhaft vollkommenen und schönen Menschen“[80], d.h. den Helden Myschkin konzipierte[81].

        Obwohl der Fürst Myschkin in der aristokratischen Gesellschaft, in der er sich bewegt, als ein „kranker Idiot“ erscheint, gibt es mehrere Momente, in denen der Fürst darauf hinweist, dass es ungerecht sei, ihn wegen seiner „Gutmütigkeit“ und „Treuherzigkeit“ für einen Idioten zu halten[82].

        Auch andere Romanhelden bezweifeln, dass Myschkin ein „Idiot“ sei[83]. Fürst Myschkin, der nicht nur die positiven Werte Dostoevskijs repräsentiert, sondern auch – und wir dürfen es nie vergessen – als Reaktion auf Dostoevskijs Lektüre von Ernest Renans Vie de Jésus konzipiert ist[84], stellt einen Mann dar, der aufgrund seiner erlittenen Epilepsie-Anfälle von der normalen Welt „entfernt“ ist. Damit hat Myschkin einen reinen, guten, schönen, „göttlichen“ und nicht heuchlerischen Charakter bewahrt[85]. Was ihn ein „Idiot“ werden lässt, ist jedoch keine psychische oder physische Krankheit, sondern der moralische Verfall um ihn herum. Das wird in der letzten Szene des Romans mit dem „seelisch notwendigen Zusammenbruch“ des „Idioten“ an der Leiche seiner Geliebten dargestellt[86]. Dies hat aber mit dem „Idioten“ in Der Antichrist überhaupt nichts zu tun[87].

         

        4. Hat Nietzsche das Werk Le roman russe von E.-M. de Vogüé gelesen?

          Es bleibt die Frage offen, ob Nietzsche das Werk von E.-M. de Vogüé Le roman russe[88] gelesen hat, zumal das Buch sich nicht in seiner Bibliothek befand. Wenn der Philosoph Dostoevskijs Roman nicht gekannt hat, so war er vielleicht dank De Vogüé mit seinem Kerngedanken vertraut, vermuten einige Forscher. Giuliano Campioni postuliert die Möglichkeit, dass Nietzsche die Aufsätze, die später in das Buch Le roman russe eingegangen sind, in der Zeitschrift Revue des deux Mondes aus den Jahren 1885-1886 gekannt haben könnte[89]. Der italienische Forscher verweist außerdem auf zwei in der von Nietzsche sehr geschätzten[90] Zeitschrift Journal des Débats veröffentlichten Aufsätze, die sich mit Dostoevskij beschäftigen. Der eine von André Mori, der die französischen Übersetzungen der Werke Humiliés et offensés und Crime et châtiment rezensiert und der zweite von De Vogüé[91]. Weder in seinen Briefen noch in seinem Werk oder im Nachlass gibt es jedoch Hinweise darauf, dass ihm die angeführten Aufsätze bekannt waren. Daher bleibt diese Hypothese unbewiesen[92].

           

          5. Ernest Renans Vie de Jésus bei Dostoevskij und Nietzsche

            Sollte aber Nietzsche den Roman Der Idiot nicht gelesen und folglich das Wort „Idiot“ eine andere Quelle und Bedeutung haben, wie erklären sich dann die scheinbaren Ähnlichkeiten in der Beschreibung des Erlösers? Woher kommt das Adjektiv „heilig“ als Synonym für „krank“[93] oder „epileptisch“?

            Die Quelle für Dostoevskijs Der Idiot und Nietzsches Der Antichrist ist ein und dieselbe: Ernest Renans Vie de Jésus. Verschiedene Stellen aus Renans Werk beweisen, dass beide Autoren unter dem Einfluss des französischen Historikers ihre unterschiedlichen Anschauungen über Christus entwickelten[94]: Dostoevskij reagierte gegen die liberale Auslegung Jesus in der Gestalt des Fürsten Myschkin, während Nietzsche sich gegen die positive Darstellung Jesu („genie“, „héros“) in Der Antichrist ausdrückte.

            Im Kapitel XXVIII des Buches Renans heißt es in Bezug auf die Begriffe „krank“ und „gesund“:

            Gardons-nous donc de mutiler l’histoire pour satisfaire nos mesquines susceptibilités. Qui de nous, pygmées que nous sommes, pourrait faire ce qu’ont fait l’extravagant François d’Assise, l’hystérique sainte Thérèse? Que la médecine ait des noms pour exprimer ces grands écarts de la nature humaine; qu’elle soutienne que le génie est une maladie du cerveau; qu’elle voie dans une certaine délicatesse morale un commencement d’étisie; qu’elle classe l’enthousiasme et l’amour parmi les accidents nerveux, peu importe. Les mots de sain et de malade son tout relatifs[95].

            Die Stellen im Nietzsches Nachlass, in denen er seinen Typus Jesu schildert, verdeutlichen, dass seine Reflexionen über Christus in enger Beziehung zu seiner Renan-Lektüre standen[96]. Siehe das Fragment, in dem Nietzsche die aus der Préface de la treizième édition stammenden Worte Renans auf Deutsch wiedergibt und welche eine andere mögliche Quelle für seine Konzeption Jesu als „Idiot“ sein könnten:

            Renan.

            Im Orient ist der Narr ein priviligirtes Wesen; er tritt ein vor die höchsten Räthe, ohne daß Jemand ihn aufzuhalten wagt; man hört ihn, man befragt ihn. Das ist ein Wesen, das man Gott näher glaubt, weil man, da seine individuelle Vernunft erloschen ist, voraussetzt, daß er theil hat an der göttlichen. Der esprit, der durch einen feinen Spott jeden Fehler des raisonnements heraushebt, fehlt im Asien[97].

             

            Die Bezeichnungen „Epileptiker“ und „epileptisch“ für Christus, für die Christen und für Franciscus von Assisi[98] stammen aus Renans Werk und nicht aus Dostoevskijs Roman Der Idiot, wie mehrmals behauptet wurde[99]. Nietzsche dachte an Renan, als er die folgenden Worten schrieb: „Man soll sich nicht täuschen lassen („werdet wie die Kinder“ – die verwandten Naturen: Franz v[on] Assisi (neurotisch, epileptisch, Visionär, wie Jesus)“[100]. An einer Stelle des Werkes Renans steht: „Le problème, du reste, se pose de la même manière pour tous les saints et les fondateurs religieux. Des faits, aujourd'hui morbides, tels que l’épilepsie, les visions, ont été autrefois un principe de force et de grandeur“[101].

             

            6. Schlussbetrachtungen

              Die Verwendung des Wortes „Idiot“ bei Nietzsche in Der Antichrist hat demzufolge ihren Ursprung nicht in einer Lektüre des Romans Der Idiot. Die von Charles Andler und Ernst Benz aufgestellte These eines Einflusses von Dostoevskij auf Nietzsches Konzeption Jesu ist abzulehnen. Dass Nietzsche Jesus „Idiot“ nennt und danach Dostoevskij gegen Renan zitiert, sollte nicht zu dem irrtümlichen Annahme führen, Nietzsche habe Dostoevskijs Idiot gelesen. Nietzsche musste nicht notwendigerweise den Roman kennen, um Dostoevskij als „Jemand[en], der gerade den ergreifenden Reiz einer solchen Mischung von Sublimem, Krankem und Kindlichem zu empfinden wusste“ zu bezeichnen. Die Welt der Evangelien bei Dostoevskij wird „nicht nur im Roman Der Idiot dargestellt, sondern man kann sie leicht in den anderen ‚fünf großen Romanen‘ finden“, wie Dudkin sehr treffend feststellt[102]. Nietzsche las sowohl Die Dämonen als auch einige Erzählungen Dostoevskijs, in denen die „morbide Welt des Christentums“ für den Leser deutlich spürbar ist.

              Dass Nietzsche Dostoevskij und Jesus in demselben Zusammenhang nennt und über „einen russischen Roman“ spricht[103], heißt auch nicht unbedingt, dass er den Roman Der Idiot gelesen hat. Es gibt keinen ausreichenden Grund, um diese Behauptung anzunehmen. Wäre es nicht vernünftiger, „dass der Einfluss nicht aus einem Roman, sondern aus allen [Hervorhebung von J.M.] Nietzsche bekannten Dostoevskij Romanen stammen könnte und dass er die psychologischen Züge, mit welchen er Jesus Christus belegt, in den bestimmten Typen von Helden Dostoevskijs und nicht nur im Bild Myschkins sehen konnte?“[104]

              Es ist schwer zu glauben, dass eine von seinen Entdeckungen so begeisterte Person wie Nietzsche das in Frage stehende Werk unerwähnt gelassen hätte, besonders da er die Dostoevskij-Lektüre[105] entweder in seinen Werken oder in seinen Briefen benennt[106]. Die Quelle für das Wort „Idiot“ ist folglich nicht bei Dostoevskij, sondern vielmehr in der Nietzsche Lektüre der Werke Férés zu suchen. Man muss vermeiden, „aus denselben Worten auf eine Gleichheit von Begriffen zu schließen“[107]. Die gute Hermeneutik muss nicht nur zeigen, wie und warum ein Autor die Worte in einer bestimmten Form verwendet, sondern sie muss berücksichtigen, dass die Bedeutung eines Textes in seiner Verwendung im Diskurs liegt[108]. In seiner Schrift Der Antichrist werden die Worte „physiologisch“, „Degenerescenz“, „epileptisch“ und „Idiot“ in ein und demselben Zusammenhang verwendet.

              Nietzsches Begeisterung für die Physiologie lässt sich daher sowohl in Der Antichrist als auch in seinem letzten Werk Ecce homo sehr gut erkennen. Sie erreicht ihren Höhenpunkt in Nietzsches Auseinandersetzung mit dem Christentum, dem Feind, den der Philosoph zerstören will[109]. In diesem Sinne hätte Nietzsche „in der Lektüre physiologischer Werke nur die Bestätigung dessen gefunden, was die Dynamik seiner Reflexionen ohnehin zum Ergebnis haben mußte“[110]. Ausschließlich in diesem physiologischen Kontext muss das Werk Der Antichrist verstanden werden. Auch das von Nietzsche auf Jesus angewandte Wort „Idiot“ sollte als terminus technicus seiner Philosophie betrachtet werden, mit dem er Jesus als „einen degenerierten Kranken“ bezeichnen wollte[111].


              * Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Andreas Urs Sommer für sein Interesse an diesem Text, sowie auch für seine Kommentare und Hinweise.

              [1] F. J. Fortuny: Del entrenamiento filosófico, Barcelona 1997, S. 3 (eigene Übersetzung).

              [2] Obwohl Nietzsche Ernest Renans Vie de Jésus schon im Jahr 1885 kennt, erfolgt die intensive Beschäftigung mit dem Werk im Frühjahr 1888. Selbst wenn die erste Ausgabe auf 1863 datiert ist, hat Nietzsche gleichwohl die 13. Auflage „revue et agumentée“ (1867) gelesen, wie Giuliano Campioni in Nietzche-Studien 21 (1992), S. 404f. und Nietzsche-Studien 24 (1995), S. 402f. bewiesen hat. Siehe zur Datumsfrage dieser 13. Auflage Antonio Morillas, Nietzsche-Studien 35 (2006), S. 301, Anm. 1.

              [3] Der Fall Wagner, Götzen-Dämmerung. Nachgelassene Schriften: (August 1888 - Anfang Januar 1889): Der Antichrist, Ecce homo, Dionysos-Dithyramben, Nietzsche contra Wagner. Herausgegeben von G. Colli und M. Montinari, Walter de Gruyter, Berlin 1969.

              [4] Ch. Andler, Nietzsche et Dostoïevsky, in: Mélanges d’histoire littéraire générale et comparée offerts à Fernand Baldensperger, Paris 1930, S. 1-14.

              [5] Andler zitiert die französische Ausgabe L’idiot, trad. V. Derély, Plon, Paris 1887.

              [6] Im Gegensatz zum ersten Leser des Werks, dem mit der russichen Literatur wohlvertrauten Franz Overbeck, der diesen russischen Einfluss auf Nietzsches Jesusbild überhaupt nicht gesehen hatte. Vgl. H. Cancik und H. Cancik-Lindemaier: „Der ‚psychologische Typus des Erlösers‘ und die Möglichkeit seiner Darstellung bei Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche“, in Philolog und Kultfigur. Friedrich Nietzsche und seine Antike in Deutschland, Stuttgart – Weimar 1999, S. 105-130, S. 107. Siehe auch Franz Overbeck: Werke und Nachlaß. Kirchenlexikon Materialen. Christenthum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur Moderne Theologie von Franz Overbeck. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Carl Albrecht Bernoulli. Kritische Neuausgabe herausgegeben von Barbara von Reibnitz, Stuttgart – Weimar 1996, S. 77 und Andreas Urs Sommer: Friedrich Nietzsches „Der Antichrist“. Ein philosophisch-historischer Kommentar, Basel 2000, S. 302, Anm. 180.

              [7] Josef Hofmiller: „Nietzsche“, Süddeutsche Monatshefte (November 1931), S. 73-131.

              [8] Der Brief vom 10. April 1895 befindet sich in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Basel („Nachlaß Hofmiller“, Signatur NL 29:1). Eine Abschrift dieses Briefes ist im Weimarer Goethe-Schiller-Archiv (Signatur GSA 102/663) aufbewahrt. Die von Köselitz genannten Veränderungen befinden sich in §§ 29, 35 und 62 des Antichrist.

              [9] Ernst Benz: Nietzsches Ideen zur Geschichte des Christentums, Stuttgart 1938 (Fototypischer Nachdruck des gleichnamigen Aufsatzes aus Zeitschrift für Kirchengeschichte, 56 [1937], S. 169-313). Siehe auch die 2. Auflage, E. Benz: Nietzsches Ideen zur Geschichte des Christentums und der Kirche, Leiden 1956, bes. S. 102-103.

              [10] Karl Jaspers: Nietzsche und das Christentum [Diese  Abhandlung ist ausgearbeitet als Grundlage eines Vortrags, der auf Einladung des Wissenschaftlichen Predigervereins in Hannover am 12. Mai 1938  gehalten wurde], Hameln 1938, S. 21.

              [11] Jaspers schreibt vorsichtigerweise weiter: „Ob Nietzsche Dostojewskis ‚Idioten‘ gelesen hat, ist zweifelhaft. Die erste deutsche Übersetzung erschien erst 1889, konnte also von Nietzsche nicht gekannt sein. Ob eine französische Übersetzung schon existierte, und ob sie in seine Hände gekommen ist, kann ich nicht feststellen, auch nicht, ob etwa nur der Titel ‚Idiot‘ ihm zu Ohren gekommen ist, oder ob es sich ohne alle Kenntnis seitens Nietzsches um eine verwunderliche Koincidenz handelt“ (ibid.).

              [12] Max Oehler: „Nietzsche und Dostojewski“, Der Deutsche im Osten, 3 (1940), S. 390-399.

              [13] Martin Dibelius: „Der ‚psychologische Typus des Erlösers‘ bei Friedrich Nietzsche“, Deutsche Vierteljahrsschrift, XXII, 1 (1944), S. 61-91.

              [14] Siehe u.a.  Henri de Lubac: Le drame de l’humanisme athée, Paris 1944 (nouv. ed., Paris 1998), Gerard Brom: Nietzsche’s Antichrist. Mededeelingen der Koninklijke Nerdelansche Akademie van Wetenschappen, Afd. Letterkunde, Nieuwe Reeks, Deel 9, Nº 6, Amsterdam 1946 oder D. Tschizewskij: Dostojewskij und Nietzsche: die Lehre von der ewigen Wiederkunft. Bonn 1947, S. 2.

              [15] W. Kaufmann: Nietzsche: Philosopher, Psychologist, Antichrist, Princeton 1950 (19744).

              [16] W. Gesemann: „Nietzsches Verhältnis zu Dostoevskij auf dem europäischen Hintergrund der 80er Jahre. Friedrich-Wilhelm Neumann zum 60. Geburtstag“, Die Welt der Slaven. Vierteljahrsschrift für Slavistik, VI (1961), S. 129-156.

              [17] Gegen diese These stehen die folgenden Studien: E. W. Clowes: „Obraz Christa u Dostoevskogo i Nietzsche“, Dostoevskij i mirovaja kultura, Almanakh 1.2 (1993), S. 106-131 und „Self-laceration and Resentment: the Terms of Moral Psychology in Dostoevsky and Nietzsche“, in E. C. Allen & G. S. Morson (ed.): Freedom and Responsability in Russian Literature: Essays in Honor of Robert Louis Jackson, Illinois 1995, S. 119-133; V. V. Dudkin und K. M. Azadovskij: „Dostoevskij v Germanii (1846-1921)“, Literaturnoe nasledstvo. Т. 86, Moskau 1973, S. 659-740 und Dostoevskij – Nietzsche (problema celoveka), Petrozavodsk 1994, S. 92ff.; Kommentar zu Idiot, in F. M. Dostoevskij: Idiot: rukopisnye redakcii. Vecnyj muz. Nabroski: 1867-1870, in Polnoe sobranie socinenij (=PSS), Akademija Nauk SSSR, Institut Russkoj Literatury (Puskinskij Dom), Leningrad 1974, S. 421, und V. Kantor: „Dostoevskij, Nietzsche i krizis khristianstva v Evrope konza 19 – nacala 20 veka“, Dostoevsky Studies, New Series, VIII (2004), S. 17-37.

              [18] Siehe u. a. J. Lavrin: „A Note on Nietzsche and Dostoevsky“, Russian Review, 28.2 (April 1969), S. 160-170; C. A. Miller: „Nietzsche’s ‘Discovery’ of Dostoevsky“, Nietzsche-Studien, 2 (1973), S. 202-257 und „The Nihilist as Tempter-Redeemer: Dostoevsky’s ‘Man-God’ in Nietzsche’s Notebooks“, Nietzsche-Studien, 4 (1975), S. 165-226; P. Valadier: Nietzsche et la critique du christianisme, Paris 1974; C. P. Janz: Friedrich Nietzsche. Biographie, München – Wien, 1978-1979 (19932) und „Diskussion zu Millers Nietzsches ‚Soteriopsychologie‘“, Nietzsche-Studien, 7 (1978), S. 150-157; J. Salaquarda: „Der Antichrist“, Nietzsche-Studien, 2 (1973), S. 91-136; D. M. Hoffmann: Zur Geschichte des Nietzsche-Archivs: Elisabeth Förster-Nietzsche, Fritz Koegel, Rudolf Steiner, Gustav Naumann, Josef Hofmiller: Chronik, Studien und Dokumente, Berlin [u.a.] 1991 und seinen Beitrag „Idiot“ in H. Ottmann (Hrsg.): Nietzsche Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, Weimar 2000, S. 256; Andreas Urs Sommer: Friedrich Nietzsches „Der Antichrist“. Ein philosophisch-historischer Kommentar, a.a.O., und seinen Beitrag „Kurze Geistesgeschichte des Idioten“, Zeitschrift für Ideengeschichte, 4.2 (Sommer 2010), S. 5-19, besonders S. 14-17; Ortrud Neuhof: Zur Bedeutung der Bezeichnung ‚Idiot‘ für Jesus bei Friedrich Nietzsche, Grind 2002; Renate Müller-Buck: „‚Der einzige Psychologe, von dem ich etwas zu lernen hatte‘: Nietzsche liest Dostojewskij“, Dostoevsky Studies, New Series, VI (2002), S. 98-118, bes. S. 113-114 und 117-118; P. Stellino: „Jesus als ‚Idiot‘. Ein Vergleich zwischen Nietzsches Der Antichrist und Dostojewskijs Der Idiot“, Nietzscheforschung. Jahrbuch der Nietzsche-Gesellschaft, „Nietzsche und Europa – Nietzsche in Europa“, 14 (2007), S. 203-210; Allan Davy Santos Sena: „O Jesus de Nietzsche e o príncipe Míchkin de Dostoiévski“, Revista Trágica: estudos sobre Nietzsche, 5 (2010), S. 21-40 und Giuliano Campioni: Nietzsche e lo spirito latino (unveröffentlicht).

              [19] Richard Roos: „Règles pour une lecture philologique de Nietzsche“, Centre Culturel International de Cerisy-la-Salle (éd.): Nietzsche aujourd’hui?, 2. Passion, Paris 1973, S. 283-324.

              [20] „Moralische Idiotismus“ ist eine Anspielung auf J. W. von Goethes Rameau’s Neffe. Ein Dialog von Diderot. Siehe Nietzsche-Studien 37 (2008), S. 265-266.

              [21] Siehe Nachlass Sommer-Herbst 1873, KSA 7, 29 [13], S. 627-631. Vgl. UB III, 6, KSA 1, S. 398.

              [22] Siehe FW, § 373, KSA 3, S. 625.

              [23] Siehe Nachlass Ende 1886 – Frühjahr 1887, KSA 12, 7 [4], S. 267. Nietzsche bezieht sich hier auf Kritik der Urteilskraft, I, § 47 (AA V, S. 308-310).

              [24] Siehe Nachlass Ende 1886 – Frühjahr 1887, KSA 12, 7 [4], S. 268. Nietzsche meint die Figur des „Ketzerrichters“, von der Kant in Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (AA VI, S. 186) spricht.

              [25] M. Dibelius kommentiert: „Wissenschaftliche Fehlurteile sind ein Zeichen von Idiotentum, sofern sie Blindheit gegenüber der Wirklichkeit verraten“. A.a.O., S. 68.

              [26] Siehe FW, Epilog, KSA 6, S. 51.

              [27] Siehe AC, § 51, KSA 6, S. 231-232.

              [28] Wie z.B. Renate Müller-Buck meint: „Uns scheint allein schon die gehäufte Verwendung des Begriffs Idiot im Dostojewskijschen Sinne im Jahr 1888 auf eine Auseinandersetzung Nietzsches mit diesem Roman hinzudeuten“. A.a.O., S.114.

              [29] A.a.O., S. 69.

              [30] Siehe GD, „Das Problem des Sokrates“, § 7, KSA 6, S. 70.

              [31] Siehe AC, § 11, KSA 6, S. 177. M. Dibelius schreibt: „wenn irgendwo, so ist hier offenbar, daß die Anwendung des Wortes ‚Idiot‘ auf eine geschichtliche Person zwar Kritik einschließt, aber nicht eine Beleidigung darstellt, vielmehr einen ganz bestimmten Typus bezeichnen will: den wirklichkeitsfremden, die natürlichen Instinkte verleugnenden Menschen“. A.a.O., S. 69.

              [32] Siehe Nachlass Dezember 1888 bis Anfang Januar 1889, KSA 13, 25 [13], S. 643. Vgl. Nachlass Dezember 1888 bis Anfang Januar 1889, KSA 13, 25 [6], S. 641 und KSA 13, 25 [14], S. 644, sowie auch den Brief an H. Köselitz vom 30. Dezember 1888, KGB III.5, S. 565-566.

              [33] Siehe WA, § 5, KSA 6, S. 23 und Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [314], S. 133 // W II 3, 67, in KGW IX.7.

              [34] Zum Begriff „décadence“, dessen Ursprung sich in P. Bourgets Essais de psychologie contemporaine (Paris 1883; siehe das Kapitel über Charles Baudelaire) befindet, siehe den Aufsatz von F. Volpi: „Die Phosphorenszenz des Bösen. Nietzsches Begriff der ‚Décadence‘ und seine französischen Quellen“, in Riedel, M. (Hg.): „Jedes Wort ist ein Vorurteil“. Philologie und Philosophie in Nietzsches Denken, Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 1999, S. 131-150; A. Horn: Nietzsches Begriff der décadence. Kritik und Analyse der Moderne, Frankfurt am Main 2000; G. Campioni: Les lectures françaises de Nietzsche, Paris 2001, S. 250-260 und F. Nietzsche: L’Anticrist, hrsg. von Antonio Morillas, übersetzt von Marc Jiménez, Barcelona 2004 (zweite verbesserte Ausgabe 2008), S. 194-196 (Anmerkung 57).

              [35] Das wird besonders klar in NW, „Wo ich Einwände mache“, KSA 6, S.420 und „Wagner als Gefahr“ § 2, KSA 6, S.423. Siehe auch Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [62], S. 249 // W II 5, 153, in KGW IX.8.

              [36] Vgl. AC, § 32, KSA 6, S. 204.

              [37] Siehe Nachlass Oktober 1888, KSA 13, 23 [1], S. 599.

              [38] Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [91], S. 267, korrigiert nach W II 5, 130, in KGW IX.8.

              [39] Vgl. auch AC, § 3, KSA 6, S. 170.

              [40] Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237 //  W II 5, 168, in KGW IX.8.

              [41] Nachgelassenes Fragment korrigiert nach W II 5, 168, in KGW IX.8.

              [42] Nachgelassenes Fragment korrigiert nach W II 5, 169, in KGW IX.8.

              [43] Wie Antonio Morillas in Nietzsche-Studien 35 (2006), S. 301 bewiesen hat, stammen diese Worte über Franziscus von Assisi aus E. Renan: Vie de Jésus, a.a.O., S. 465f.

              [44] Vgl. A. Urs Sommer (a.a.O., S. 290) und D. Havemann (Der ‚Apostel der Rache‘. Nietzsches Paulusdeutung, Berlin-New York 2002, S. 164-170, hier, S. 164, Anm. 179).

              [45] Vgl. WA, KSA 6, S. 50 und den Brief von Brandes vom 23. November 1888 (KGB III.6, S. 363).

              [46] Vgl. Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [368], S. 164 // W II 3, 28, in KGW IX.7. An dieser Stelle befindet sich die bekannte Nietzsche-Bezeichnung „freier Geist“ für Jesus, die einigen Forschern Anlaß gegeben hat, Nietzsches „Sympathie“ für Christus zu behaupten. Das ist aber irrig – Nietzsche nennt Jesus so in dem Sinne, dass er keine feste Haltung gegen die Realität hat, da ihm nur „das Innerste“ das Wichtigste ist. Das ist lediglich – wie Nietzsche selbst sagt: „mit einiger Toleranz“ –  eine Beschreibung seiner Haltung, kein Sympathie-Signal. Die These von Y. Souladié soll auch benannt werden, die behauptet, dass Nietzsche sich mit dem, was er im Zarathustra (I, „Vom freien Tode“) gesagt hatte, widerspricht, als er Christus in Der Antichrist als „Idiot“ bezeichnet. Siehe Yannick Souladié: „Antichristianisme et hérésie“, in Y. Souladié (éd.): Nietzsche – l’inversion des valeurs. Hildesheim [u.a.] 2007, S. 107. Es sei bei diesem Anlaß leidiglich in Erinnerung gebracht, dass Nietzsche kein christlicher Denker ist und, dass es eben in diesen letzten Schaffensjahren, nämlich 1888 ist, als Nietzsche davon sehr bewusst war, worin seine philosophische Aufgabe besteht und welche Rolle darin Jesus und das Christentum spielen.

              [47] Charles Féré: Dégénérescence et criminalité. Essai physiologique par Ch. Féré Médecin de Bicètre, Paris 1888. Über Féré und Nietzsche siehe Hans Erich Lampl: „Ex oblivione: Das Féré Palimpsest“, Nietzsche-Studien, 15 (1986), S. 225-249 und Bettina Wahrig-Schmidt: „‚Irgendwie, jedenfalls physiologisch‘. Friedrich Nietzsche, Alexandre Herzen (fils) und Charles Féré 1888“, Nietzsche-Studien, 17 (1988), S. 434-465. Nietzsche hatte auch das Werk Férés Sensation et mouvement (Paris 1887) gelesen.

              [48] H. E. Lampl: a.a.O., S. 227. Vgl. Nietzsches persönliche Bibliothek, Hrsg. von Giuliano Campioni, Paolo D’Iorio, Maria Cristina Fornari, Francesco Fronterotta und Andrea Orsucci unter Mitarbeit von Renate Müller-Buck, Berlin / New York 2003, S. 223-224. Siehe auch dazu G. Campioni: „Un caso di ‘tersitismo’: Verrecchia contra Nietzsche“, Il ponte, 1 (1979), S. 125-132, hier S. 130.

              [49] G. Moore: Nietzsche, Biology and Metaphor, Cambridge 2002, S. 126.

              [50] Ch. Féré, a.a.O., S. 86.

              [51] Vgl. H. E. Lampl: a.a.O., S. 236, Anm. 17 und Bettina Wahrig-Schmidt: a.a.O., S. 450.

              [52] Vgl. WA, § 5, KSA 6, S. 23, § 7, KSA 6, S. 27, und Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 15 [99], S. 465-466.

              [53] Vgl. GD, „Das Problem des Sokrates“, § 9, KSA 6, S.71.

              [54] Nachgelassenes Fragment korrigiert nach W II 5, 130, in KGW IX.8.

              [55] Nachgelassenes Fragment korrigiert nach W II 5, 107, in KGW IX.8. Vgl. auch Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [133], S. 315-317 // W II 5, 83 und 80, in KGW IX.8, AC, §§ 3-6 und Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 15 [41], S. 433. Vgl. dazu Dégénérescence et criminalité, a.a.O., S. 104.

              [56] „Er widersteht nicht, er vertheidigt nicht sein Recht, er thut keinen Schritt, der das Äusserste von ihm abwehrt, mehr noch, er fordert es heraus…“ (AC, § 35, KSA 6, S. 207). Vgl. ebenfalls Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [378], S. 176 // W II 3, 18, in KGW IX.7 und Nachlass, Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237 // W II 5, 168, in KGW IX.8.

              [57] Im Nachlass befindet sich die folgende Definition: „Das Unvermögen zum Kampf: das ist Degenerescenz“ (Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 15 [37], S. 431). Vgl. Dégénérescence et criminalité (a.a.O., S. 92): „Mais ce n’est pas seulement sous ces formes que se manifeste l’impuissance à la lutte“. Siehe H. E. Lamp: a.a.O., S. 259.

              [58] Vgl. Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [74], S.255 //  W II 5, 143, in KGW IX.8; Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [209], S. 388 //  W II 5, 11, in KGW IX.8; Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [220], S. 394 // W II 5, 4, in KGW IX.8; Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 15 [36], S. 429 und Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 22 [19], S. 592.

              [59] Vgl. Bettina Wahrig-Schmidt: a.a.O., S. 451f.

              [60] Vgl. GD, „Streifzüge eines Unzeitgemässen“, § 20, KSA 6, S.124.

              [61] Bettina Wahrig-Schmidt: a.a.O., S. 445.

              [62] Bettina Wahrig-Schmidt: a.a.O., S. 449. Vgl. H. E. Lampl: a. a. O., S. 239 und 247. Obwohl der Begriff „Physiologie“ bei Nietzsche zwar schon im Jahre 1872 auftaucht, ist es aber in seiner letzten Schaffenszeit, wenn die Physiologie eine entscheidende Rolle in seiner Philosophie spielt. Siehe z. B. „Die grosse Politik“, Nachlass Dezember 1888 – Anfang Januar 1889, KSA 13, 25 [1], S. 637f.

              [63] G. Moore: a.a.O., S. 147. Vgl. Andreas Urs Sommer: „Jesus ist nicht mehr der Identifikationspotential bietende Held eines russischen Romans (vergleiche 31-201, 31f.), sondern ein Fall für den Irrenarzt. Er hat nicht einmal mehr eine erzählbare Lebensgeschichte“ (a.a.O., S.290), und K. Ruhstorfer: Konversionen. Eine Archäologie der Bestimmung des Menschen bei Foucault, Nietzsche, Augustinus und Paulus, Paderborn [u.a.] 2004, S. 160.

              [64] Vgl. V. Kantor: a.a.O., S. 24-25.

              [65] Vgl.V. Dudkin: Dostoevskij – Nietzsche (problema celoveka), a.a.O., S. 97ff.

              [66] Siehe dazu A. Gide: Dostoïevsky d’après sa correspondance (1908), in Dostoïevsky (Articles et causeries), Paris 1954 (19231), S. 1-46 (bes. S. 2-4).

              [67] Wie z. B. R. Frary: „Le mouvement littéraire. Romans, contes et nouvelles“, La nouvelle revue, 47 (1887), S. 122-135, bes. S. 124, und Arthur Möller van den Bruck, Einleitung zu Idiot (Die russische Mystik), in F. M. Dostojewski: Der Idiot. Sämtliche Werke, Übersetzung von E. K. Rahsin, Erste Abteilung, Dritter Band, München und Leipzig 1909, S. V-XV.

              [68] Iz arkhiva F. M. Dostoevskogo. Idiot – Neizdannye materialy. Redakcija: P. N. Sakulina i N. F. Belcikovo. Gosudarstvennoe izdatelstvo khudozhestvennoj literatury, Moskau-Leningrad 1931.

              [69] F. M. Dostoevskij: Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., S. 246, 249 und 253. Zur Geschichte der Gestaltsentwicklung des Fürsten Myschkins, siehe P. N. Sakulin: „Rabota Dostoevskogo nad Idiotom“, in Iz arkhiva F. M. Dostoevskogo. Idiot – Neizdannye materialy, a.a.O., S. 169-290.

              [70] Die Rezeptionsgeschichte des Romans bestätigt, dass Der Idiot bislang als ein tief politischer Roman gegen die russischen Revolutionäre betrachtet wurde. Siehe den Kommentar zu Idiot von G. M. Fridlender in F. M. Dostoevskij: Sobranie socinenij. V decati tomakh, Moskau 1957, Bd. 6, S. 709ff. und den Kommentar von I. A. Bitiugova in F. M. Dostoevskij: Sobranie socinenij v piatnacati tomakh, Akademija Nauk SSSR, Leningrad 1989, Bd. 6, S. 619-641.

              [71] Vgl. z. B. die klassische religiöse Auslegung von R. Guardini: Religiöse Gestalten in Dostojewskijs Werk, München 1933 (19473), besonders das siebente Kapitel („Ein Christussymbol“); W. Nigg: Der christliche Narr, Zürich 1956, S. 349-403; O. Meerson: „Khristos ili ‘Knjaz-Khristos’? Svidetelstvo general Ivolgina“, in V. A. Alekseev (Hrsg.): F. M. Dostoevskij i pravoslavie: Publicisticeskii sbornik o tvorcestve F. M. Dostoevskogo, Moskau 2003, S. 339-356 und Rainer Goldt: „Fürst Myschkin – russischer Christus, Don Quixote, Sisyphos? Eine Einführung in den Roman ‚Der Idiot‘ und die Hintergründe seiner Entstehung“, Jahrbuch der Deutschen Dostojewskij Gesellschaft, 11 (2004), S. 27-39. Zur Auslegungsgeschichte des Wortes, siehe Dostoevskij: socinenia, pisma, dokumenty; slovar-spravocnik. Rossijskaja Akademija Nauk, Institut Russkoj Literatury  (Puskinskij  Dom). Naucnye  red. G. K. Scennikov, B. N. Tikhomirov, Izdat. Puskinskij Dom, Sankt Peterburg 2008, s.v. Idiot, S. 106ff.

              [72] Kommentar zu Idiot, in F. M. Dostoevskij: Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., S. 404. Siehe zu Charakterisierung Myschkins S. 220 und 222, und zu Myschkins Christentum S. 202, 217, 218, 220, 223, 224 und 264.

              [73] Das Wort „Idiot“ taucht 61-mal (6 mit Anführungszeichen) im Roman auf. Siehe, z. B. F. M: Dostojewskij: Der Idiot (Roman. Aus dem Russischen von Swetlana Geier, Zürich 1996), S. 129-130; 328, 395, 613, 682, 734-735 und 782 (F. M. Dostoevskij, Idiot, in Polnoe sobranie socinenij (=PSS). Akademija Nauk SSSR, Institut Russkoj Literatury (Puskinskij Dom), Leningrad 1973, T. 8, S. 75, 188, 227, 351, 391, 421 und 448).

              [74] Siehe z. B. die folgenden Stellen: S. 75, 115, 412, 479, 481, 503, 564 und 844 (PSS 8, S. 44, 67, 237, 268, 274, 287, 323 und 485). In Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., siehe S. 163, 178, 200-201 und 251. Das ist jener Art „Wahnsinn“, den Paulus im Neuen Testament theoretisierte (Siehe Rm I, 22; IKor 1,17ff; 2,5; 2,13; 3,18, 8, 55; IIKor 2, 12; 10,4-6; Eph. 4, 17ff; Tm 6, 20-21 und He 13, 9). Rogozhin sagt zu Myschkin, als er Anfang des Romans von dem Fürsten verabschiedet: „совсем ты, князь, выходишь юродивый, и таких, как ты, бог любит!“ (PSS 8, 14). Zu „Jurodivy“, siehe S. V. Klimenko: „‘Jurodstvo o Khriste’ v ‘Idiote’ Dostoevskogo. (K voprosu o filosofii romana)“, Dostoevskij i sovremennost: Tezisy vystuplenii na Starorusskikh ctenijakh  1991g., Novgorod 1992, Bd. 1, S. 62-64 und R. Leibov: Shuty i Jurodivye v romanakh F. Dostoevskogo, Tartu 2002.

              [75] Vgl. dazu den gelehrten Beitrag von Guy Oury in Dictionnaire de spiritualité ascétique et mystique doctrine et histoire, Paris 1971, Tome VII.2 (Ibañez – Izquierdo), s.v. „Idiota“, S. 1242-1248 und Andreas Urs Sommer: „Kurze Geistesgeschichte des Idioten“, a.a.O.

              [76] F. M. Dostoevskij: Idiot: rukopisnye redakcii. Vecnyj muz. Nabroski: 1867-1870, a.a.O., S. 394. Vgl. ebenfalls P. Cicovacki: „The Enigmatic Conclusion of Dostoevsky’s Idiot: A Comparison of Prince Myshkin and Wagner’s Parsifal“, Dostoevsky Studies, New Series, IX (2005), S. 106-114.

              [77] Vgl. dazu Phaidros, 245a und 265b, und Timaios 86b.

              [78] Im Roman wird der „göttliche Wahnsinn“ in Form der Epilepsie dargestellt, welche die Idiotie bei Myschkin verursachte. Diese von Dostoevskij selbst gelittene Krankheit ist gerade das, was Fürst Myschkin ermöglicht, visionäre Augenblicke zu haben, wo „die höchste Stufe der Harmonie und die Schönheit erscheint“ (Vgl. Idiot, S. 327; PPS 8, 188). Zur Epilepsie in Leben und Werk Dostoevskijs siehe, unter der umfangreichen Literatur, Dietrich Engelhardt: „Epilepsie in Leben und Werk Dostojewskijs. Stationen und Aspekte der Forschung aus medizinischer Sicht“, Dostoevsky Studies, New Series, V (2001), S. 25-40; Dieter Janz: „Zum Konflikt von Kreativität und Krankheit: Dostojewskijs Epilepsie“, Opus Tessellatum. Modi und Grenzgänge der Kunstwissenschaft. Festschrift für Peter Cornelius Claussen. Hrsg. von Katharina Corsepius et al. Hildesheim, Zürich, New York 2004, S. 71-84 (auch in Dostoevsky Studies, New Series, X (2006), S. 125-140) und Horst-Jürgen Gerigk: „Epilepsie in den großen Romanen Dostojewskijs als hermeneutisches Problem“, Dostoevsky Studies, New Series, X (2006), S. 141-153.

              [79] Dostoevskij hat wahrscheinlich Miguel de Cervantes’ Don Quijote in der französischen Übersetzung von Louis Viardot gelesen. Vgl. Biblioteka F. M. Dostoevskogo. Opyt rekonstrukcij naucnoe opisanie, Sankt Peterburg 2005, S. 214. Zur Dostoevskijs Auslegung des Romans siehe Tagebuch eines Schriftstellers, „Eine Lüge rettet die andere“ (September 1877; PSS 26:24ff). Siehe ebenfalls die Studien von V. E. Bagno: „Dostoevskij o Don Quijote Cervantesa“, Dostoevskij. Materialy i issledovanija, Bd. 3 (1978), S. 126-135; N. N. Arsentieva: „Don Kikhot i knjaz Myschkin“, Dostoevskij i sovremennost: Tezisy vystuplenii‚ Starorusskikh ctenijakh  1991g., Novgorod 1992, vol. 2, S. 4-8 oder S. I. Pishkunova: „‘Except the Four of us’. The Idiot as a Reflection of Don Quixote de la Mancha“, Russian Studies in Literature, 44.1 (2007-2008), S. 24-48.

              [80] Vgl. den Brief an S. A. Iwanowa vom 1 (13) Januar 1868, in F. M. Dostojewski: Gesammelte Briefe 1833-1881. Übersetzt, herausgegeben und kommentiert von Friedrich Hitzer unter Benutzung der Übertragung von Alexander Eliasberg, München 1966, S. 251 (PSS 28.2:251).

              [81] Obwohl es ist zu bemerken, dass er gegen dieses Vorbild Abstand nahm. Siehe die Briefe an S. A. Iwanowa vom 1 (13) Januar 1868 (PSS 28.2: 251),  an S. A. Iwanowa vom 25. Januar / 6. Februar 1869 (PSS 29.1: 9-13), an N. N. Strachow vom 26. Februar / 10 März 1869 (PSS 29.1: 14-22), und Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., S. 239.

              [82] Vgl. Der Idiot, a.a.O., S. 110-111, 398 und 460 (PSS 8: 64, 229 und 264).

              [83] Siehe Der Idiot, a. a. O., S. 82, 174-175, 199, 245-246, 451, 838 und 886; PSS 8: 48, 102, 115, 142, 259, 481 und 508 (Vgl. auch Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., S. 141, 143, 169, 182, 196, 218, 232, 266, 280 und 283).

              [84] In Idiot: rukopisnye redakcii, a.a.O., taucht 2 Mal (S. 183 und 281) der Name „Renan“ als Leitmotiv des Romans auf. Myschkins Weltanschauung ist „auf seinen Anti-Renanismus gegründet“. Vgl. Mat Ksenia (N. N. Solomina-Minikhen): „O roli knigi Renana ‘zhizn Jisusa’ v tvorceskoi istorii 'Idiota' “, in Roman F. M. Dostoevskogo ‚Idiot‘: sovremennoe sostoyanie izucenia. Sbornik rabot otecestvennykh i zarubeznykh ucenikh pod redakziej T. A. Kasatkinoi, Moskau 2001, S. 100-110 (jetzt in F. M. Dostoevskij i pravoslavie: Publicisticeskii sbornik o tvorcestve F. M. Dostoevskogo, a.a.O., S. 357-367); hier S. 108 (eigene Übersetzung).

              [85] In einem ähnlichen Sinne taucht das Wort „Idiot“ bereits im Jahre 1884 auf. Siehe Nachlass Frühjahr 1884, KSA 11, 25 [441], S. 130.

              [86] Vgl. Der Idiot, a.a.O., S. 884 (PSS 8: 507). Siehe P. Cicovacki (a.a.O., S. 114) und dagegen Gerigks Meinung (a.a.O., S. 150).

              [87] Zum aktuellen Forschungsstatus, siehe Roman F. M. Dostoevskogo ‘Idiot’: sovremennoe sostoyanie izucenia, a.a.O.

              [88] E.-M. de Vogüé: Le roman russe, Paris 1886.

              [89] Siehe z.B. Revue des deux Mondes („Les écrivains russes contemporains. F. – M. Dostoïevski“, t. 67,  1er janvier 1885, S. 312-356) konnte man zum Beispiel lesen: „D’abord, ‚l’idiot‘ est épileptique […] Ces données pathologiques une fois acceptées, ce caractère de fiction est développé avec une persistance et une vraisemblance étonnantes. Dostoïevski s’était proposé d’abord de transporter dans la vie contemporaine le type de don Quichotte, l’idéal redresseur de torts: çà et là, la préoccupation de ce modèle est évidente; mais bientôt, entraîne par sa création, il vise plus haut, il ramasse dans l’âme où il s’admire lui-même les traits les plus sublimes de l’Evangile, il tente un effort désespéré pour agrandir la figure aux propositions morales d’un saint. Imaginez un être d’exception que serait homme par la maturité de l’esprit, par la plus haute raison, tout en restant enfant par la simplicité du coeur; qui réaliserait, en un mot, le précepte évangélique: ‘Soyez comme des petits enfans’. Tel est le prince Mychkine, ‚l’idiot‘ […] Donc ne pas penser, ne pas agir, c’est supprimer cette fatalité, la production du mal à côte du bien, et, comme le mal les affecte plus que le bien, ils se réfugient dans le recours au néant, ils [d.h. ‚les idéalistes russes‘, AuJM] admirent et sanctifient l’idiot, le neutre, l’inactif; il ne fait pas de bien, c’est vrai, mais il ne fait pas de mal: partant, dans leur conception pessimiste du monde, il est le meilleur” (S. 345-346).

              [90] Siehe die Briefe an Overbeck und Jean Bourdeau (beide vom 17. Dezember 1888), und EH, KSA 6, S. 301.

              [91] André Mori: „Dostoïevski“, Journal des Débats, 14 janvier 1885 und E.-M. de Vogüé: „Un nouveau roman de Dostoievsky“, Journal des Débats, 2 avril 1887.

              [92] Der Name „De Vogüé“ taucht nur einmal im Nietzsches Werk auf, nämlich Nachlass Dezember 1888 – Anfang Januar 1889, KSA 13, 25 [4], S. 639.

              [93] Man muss aber darauf hinweisen, dass bei Nietzsche die Verbindung Jesus oder Christentum mit „Krankheit“ oder „Kranken“ schon im Jahr 1884 erscheint. Siehe z. B.: Nachlass Frühjahr 1884, KSA 11, 25 [156], S. 54; Nachlass Herbst 1887, KSA 12, 10 [79], S. 501 // W II 2, 82 in KGW IX.6, und GM, I, § 8, KSA 5, S. 268.

              [94] Zu Dostoevskijs Meinung vom Leben Jesu Renans, siehe PSS 20:192 und 21:10-11. Zum Einfluss auf den Roman Idiot, siehe PSS 9:183-185 und 281 und auf Die Dämonen, siehe PSS 10:486-487. Siehe auch dazu D. L. Sorkina: „Ob odnom iz istocnikov obraza Lva Nikolaevica Myshkina“, Ucen. Zap. Tomsk. Un-ta (Voprosy khudozhestvennogo metoda i stilia), 48 (1964), S. 145-151; E. I. Kiiko: „Dostoevskij i Renan“, Dostoevskij. Materialy i issledovanija, 4 (1980), S. 106-122; Mat Ksenia (N. N. Solomina-Minikhen): „O roli knigi Renana ‚Zhizn Jisusa‘ v tvorceskoi istorii 'Idiota'“, a.a.O., und K. Stepanyan: „‘Eto budet, no budet posle dostizhenia zeli…’ (‘Zhizn Jisusa’ D. F. Shtrausa i E. Zh. Renana i roman F. M. Dostoevskogo ‘Idiot’)“, Voprosy literatury, 4 (2003), S. 140-158, jetzt auch in „Soznat i skazat“: Realizm v vysshem smysle kak tvorceskij metod F. M. Dostoevskogo, Raritet, Moskau 2005, S. 173-190.

              [95] Ernest Renan: Histoire des origines du Christianisme. Livre premier. Vie de Jésus, Paris 1867, S. 468-469.

              [96] Vgl. z.B. Nachlass November 1887-März 1888, KSA 13, 11 [368], S. 164 // W II 3, 28f., in KGW IX.7 und Nachlass November 1887-März 1888, KSA 13, 11 [369], S. 165-166 // W II 3, 28f., in KGW IX.7.

              [97] Nachlass November  1887 – März 1888, KSA 13, 11 [382], S. 180 // W II 3, 14, in KGW IX.7. Vgl. E. Renan: Vie de Jésus, a.a.O., S. xxiii-xxiv.

              [98] Siehe, z. B. AC, § 21, KSA 6, S. 188, § 51, KSA 6, S. 230ff, und § 54, KSA 6, S. 237, Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [38], S. 237 // W II 5, 168, in KGW IX.8;  Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [57], S. 245 // W II 5, 153, in KGW IX.8; Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [68], S. 252f. // W II 5, 146, in KGW IX.8; Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [124], S. 305f. // W II 5, 92 in KGW IX.8 und Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [155], S. 338f. // W II 5, 54, in KGW IX.8.

              [99] Wie z. B. bei P. Stellino: a.a.O., S. 207.

              [100] Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [363], S. 160, korrigiert nach W II 3, 33, in KGW IX.7. Vgl. ebenfalls Nachlass Frühjahr 1888, KSA 13, 14 [89], S. 266 // W II 5, 132, in KGW IX.8.

              [101] E. Renan: Vie de Jésus, a.a.O., S. 278. Über Franciscus d’Assisi siehe S. 465-468. Auf diese Auffassung Nietzsches hätte der Roman Dostoevskijs Die Dämonen (Besy) auch einen großen Einfluss gehabt. Der Held Kirillow leidet auch an Epilepsie und wird als „Neurotiker“ und „Visionär“ von Dostoevskij geschildert. Wie sehr überzeugend C. A. Miller („The Nihilist as Tempter-Redeemer: Dostoevsky’s ‚Man-God‘ in Nietzsche’s Notebooks“, a.a.O.) bewiesen hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass die nachgelassene Fragmente November 1887-März 1888, KSA 13, 11 [378] und ff., S. 175ff. // W II 3, 16f., in KGW IX.7 und Frühjahr 1888, KSA 13, 15 [9], S. 409 in Bezug auf Die Dämonen und nicht auf den Idioten sind. Siehe auch Bettina Wahrig-Schmidt: „Irgendwie, jedenfalls physiologisch“, a.a.O., S. 443.

              [102] V. Dudkin: Dostoevskij – Nietzsche (problema celoveka), a.a.O., S. 95 (eigene Übersetzung).

              [103] Vgl. Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [380], S. 179 // W II 3, 17, in KGW IX.7.

              [104] V. Dudkin: „Dostoevskij v Germanii“, a.a.O., S. 686 (eigene Übersetzung). Vgl. WA, Epilog, KSA 6, S. 50. Siehe auch dazu V. Dudkin: Dostoevskij – Nietzsche (problema celoveka), a.a.O., S. 92ff. und E. Benz, a. a. O, S. S. 103. In der Avertissement (Préface) von E. M. de Vogüé zu Souvenirs de la maison des morts konnte Nietzsche die folgenden Worte über Dostoevskij und sein Werk lesen: „Et l’on dirait, en effet, que les Souvenirs ont été écrits sur les marges de ce volume  [„le petit évangile“, AundJM]; un seul mot définit bien le caractère de l’œuvre et l’esprit de celui qui la conçut : c’est l’esprit évangélique. La plupart de ces écrivains russes en sont pénétrés, mais nul ne l’est au même degré que Dostoïevsky ; assez indifférent aux conséquences dogmatiques, il ne retient que la source de vie morale ; tout lui vient de cette source, même le talent d’écrire, c’est-à-dire de communiquer son cœur aux hommes, de leur répondre quand ils demandent un peu de lumière et de compassion“. Th. Dostoïevsky: Souvenirs de la maison des morts. Traduit du russe par M. [Charles] Neyroud, Préface par le Vte. E.-Melchior de Vogüé, Paris 1884, S. X.

              [105] Mit Ausnahme zwar von Roman Besy, aber davon existieren Exzerpten seiner Lektüre (siehe Nachlass November 1887 – März 1888, KSA 13, 11 [331] – [351], S. 141-153 // W II 3, 40-51, in KGW IX.7). Von einer Lektüre des Romans Der Idiot fehlt aber jeder Beweis.

              [106] Vgl. Max Oehler: a.a.O., S. 399.

              [107] Jorge Mario Mejía: Nietzsche y Dostoievski. Filosofía y novela, Antioquía 2000, S. 174 (eigene Übersetzung).

              [108] Vgl. F. J. Fortuny: Del entrenamiento filosófico, a.a.O., S. 3.

              [109]„Ich will das Christenthum vernichten“, schreibt Nietzsche in einem Brief an Helen Zimmern um den 17. Dezember 1888 (KGB III. 5, S. 536).

              [110] Bettina Wahrig-Schmidt: a.a.O., S. 445.

              [111] Die psychologisch-physiologische Betrachtung des Lebens Jesu hat später in der Theologie Anklang gefunden. Siehe z.B. Emil Rasmussen: Jesus. En sammenlignende Studie, Kopenhagen 1905 (Dt. Jesus. Eine vergleichende psychopathologische Studie, übers. von Arthur Rothenburg, Leipzig 1905); George de Loosten: Jesus Christus vom Standpunkt des Psychiaters, Bamberg 1905; Johannes Ninck: Jesus als Charakter. Eine Untersuchung, Leipzig 1906; Charles Binet-Sanglé: La folie de Jésus, 3. Bd., Paris 1908-1912; William Hirsch: Religion and Civilization: The Conclusions of a Psychiatrist, 1912, und besonders Albert Schweitzer: Die psychiatrische Beurtheilung Jesu, Tübingen 1913.