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Konferenzbericht

 

 

Das 15. Symposium der International Dostoevsky Society (IDS), das vom 8. bis 14. Juli 2013 in Moskau stattfand, war ein echt nationales Ereignis für Russland. Seit ihrer Gründung im Jahr 1971 in Bad-Ems hatte die IDS ihre wissenschaftlichen Tagungen zwar schon an verschiedenen Orten in Europa oder in den USA durchgeführt, bislang aber noch nie in der Heimat des Schriftstellers. Der begreifliche russische Stolz, endlich ihren „spirituellen Führer“ auf russischem Boden feiern zu dürfen, zeigte sich sowohl in der großzügigen und sorgfältigen Organisation der Veranstaltung als auch in der Art, wie für die Konferenz in den nationalen Medien geworben wurde.[1]

Mit einem für Russland sowohl provokativen wie problematischen Thema, „Dostoevskij und der Journalismus“, wollten die Organisatoren des Symposiums sich vor allem auf Das Tagebuch eines Schriftstellers konzentrieren, ein Werk, mit dem der russische Denker in die öffentliche Debatte über Politik, Literatur, Philosophie und Geschichte seiner Zeit eingetreten war und das nun für das Symposium als einer der wichtigsten und komplexesten, zugleich aber auch weniger bekannten Texte Dostoevskijs zur Untersuchung und Analyse vorgeschlagen wurde. Unbekannt ist aber diese Seite des Dichters nicht nur für den gewöhnlichen Leser, sondern auch für viele Dostoevskij-Forscher, die sich in der Regel eher mit seinem literarischen Werk beschäftigen und seine publizistische Arbeit, d.h. seinen polemischen Charakter als politischer Schriftsteller, entweder ignorieren oder im Hintergrund lassen.[2]

Das Symposium begann am Montag, dem 8. Juli 2013, mit einem Empfang für alle Teilnehmer (es waren insgesamt ca. 120) und der Vorstellung des Programms. Es  wurde vor allem den beteiligten Institutionen für ihre freundliche Unterstützung herzlich gedankt, insbesondere dem „Dom russkogo zarubezhja im. A. I. Solzhenitsyna“, das für die Durchführung der Konferenz die Räume zur Verfügung gestellt hatte.

Gleich darauf fanden die ersten Vorträge in der Plenarsitzung statt, auf der die Russen die für Russland wichtige Tatsache betonten, dass die IDS sich für Moskau entschieden hatte, um den Schriftsteller, der am besten die russische Seele vertrete, zu ehren. Die westlichen Forscher dagegen warfen eine Reihe von Fragen auf, die als Ausgangspunkt für die weitere Diskussion während der Konferenz dienten. Deborah Martinsen verlas zuletzt einen von Robin Feuer Miller verfassten Nachruf über den vor kurzem verstorbenen amerikanischen Dostoevskij-Forscher Joseph Frank, dem die erste vollständige Biographie des Schriftstellers zu verdanken ist.

Am Dienstag begannen die verschiedenen Arbeitssektionen, in denen Forscher aus fast allen Kontinenten versuchten, die verschiedenen literarischen, philosophischen und politischen Aspekte, die im Tagebuch eines Schriftstellers zu finden sind, darzustellen und zu untersuchen.

Zusammen mit den intensiven Diskussionen in den Arbeitssektionen (die Sektionen begannen jeweils um 9:30 und endeten um 13:00 Uhr; dann zwei Stunden Pause und wieder von 15.00 bis 18.30 Uhr) bereiteten die Organisatoren eine Reihe von Aktivitäten vor, die zum Ziel hatten, die Atmosphäre einer strengen wissenschaftlichen Beschäftigung mit Dostoevskij aufzulockern. So wurde z.B. am Montag eine Tischrunde veranstaltet, bei der verschiedene Forscher die Gelegenheit hatten, neue Bücher und Studien vorzustellen, die für die Dostoevskij-Forschung unbedingt erforderlich sind. In diesem Kontext müssen wir die Chronik der Familie Dostoevskijs von I. Volgin, die Ankündigung des Jubiläums der Zeitschrift „Dostoevskij i mirovoja kultura“, die K. Stepanyan in Moskau herausgibt, und die Veröffentlichung des dritten Bandes der „Dostoevsky Monographs“, herausgegeben von S. Aloe, unter vielen anderen Werken, hervorheben.

Was die anderen Tage betrifft, so wurde am Dienstag ein lehrreicher Besuch des Wohnhauses von F. M. Dostoevskij (jetzt Museum) in Moskau organisiert und am Mittwoch eine Ausstellung («Все мною собранное…» Из коллекции А. Г. Достоевской) eröffnet.

Donnerstag war jedoch der wichtigste Tag für die Konferenz und die IDS. Zuerst fand das offizielle Treffen aller nationalen Vertreter und später die Generalversammlung statt. Hier wurden die neue interne Besetzung der Gesellschaft (Präsident wird jetzt Wladimir Zakharow sein) und der Veranstaltungsort des nächsten Symposiums bekannt gegeben. Wenn alles gut geht, werden sich die weltweiten Dostoevskij-Forscher 2016 in der Stadt Granada versammeln.

Als offizieller Abschluss der Konferenz wurde am Freitag ein Empfang im majestätischen „Paschkow-Haus“ veranstaltet, wo in der Handschriftenabteilung eine Reihe von Texten Dostoevskijs (Entwürfe seiner Briefe und Romane, sowie die Arbeitshefte) ausgestellt wurde. Viele dieser Handschriften waren den meisten Forscher unbekannt, und ihre „Entdeckung“ provozierte interessante Diskussionen. Die Ausstellung und das anschließend angebotene Abendessen ermöglichten es allen Teilnehmern des Symposiums, über die Ergebnisse von fünf Tagen Diskussion miteinander ins Gespräch zu kommen.

Für die Forscher, die noch länger in Moskau bleiben wollten, wurde am Samstag eine geführte Rundreise nach Darovoe organisiert, also in die Stadt, wo Dostoevskij seine Kindheit verbrachte, und auch am Sonntag wurde eine Reihe von kulturellen Aktivitäten angeboten.

Hinsichtlich der Organisation des Symposiums muss die geduldige Arbeit der jungen Assistentinnen sowie die freundliche Übernahme der Kosten für das Mittagsessen durch die Organisatoren hervorgehoben werden.

Trotz dieser positiven Aspekte ist aber zu bedauern, dass so viele renommierte Gelehrte nicht nach Moskau gefahren sind. Viele Forscher aus Deutschland, aus Österreich, aus England, aus Frankreich, aus der Schweiz, aus den USA oder aus Spanien waren leider nicht da, wodurch zweifelsohne manche Perspektiven unberücksichtigt blieben.

Und doch war das 15. Symposium der IDS in Moskau ein absoluter Erfolg. Ein Erfolg, den wir in Spanien im Jahr 2016 ebenfalls zu erreichen und sogar zu übertreffen hoffen, wenn das nächste Symposium der IDS in der Stadt Granada stattfinden wird.

Jordi Morillas

Regionalkoordinator der IDS für Spanien und Mitglied der DDG



[2] Vgl. Joseph Frank, „Approaches to the Diary of a Writer“, in: Through the Russian Prism: Essays on Literature and Culture (Princeton, NJ: Princeton Univ. Press, 1990), pp. 153–169.